Archive für 17.2.2008

Der Südwesten, oder die Suche nach meiner Zukunft

600 km entlang der Küste, von Kinsale bis nach Dungarvan und dann zurück nach Bray, auf der Suche nach einem schönen Fleckchen Heimat. Und ich kann Euch sagen ich bin fündig geworden. Wer nach dem Irland sucht, welches man aus den unzähligen Erzählungen, Filmen und Bildern kennt, der wird entlang dieses Küstenstreifens, fernab von den urbanen Siedlungen, genau dieses Irland finden. Das Irland welches man in Dublin und Umgebung nicht mehr wirklich findet.

Irgendwo

 

Ja ich gebe zu, diese Landschaft hat mich echt ein wenig verzaubert und am Ende meiner Fahrt habe ich auch den ungefähren Raum meiner möglichen Bleibe gefunden. Es war ein typischer düsterer Tag an der See, der Wind kam direkt vom Wasser und trug die eisige Luft von der Celitic Sea mit sich, doch auch das passt zu der Landschaft, die sich Angesicht des stetigen Windes, immer etwas geduckt hält. Gesprenkelt wird die grüne Landschaft durch die, wegen der Kälte, mit Wolle bekleideten Schafe. Kluge Tiere das. Die Gesichter der Einheimischen, haben diese roten mit Äderchen durchströmten Bäckchen.


Der erste Stopp an diesem Tag war Kinsale, ein kleiner Fischerort (2257 EW.). Kinsale wirkt wie von einer Postkarte, zahlreiche Motive warten auf den fleißigen Fotografen und die vielen Fischrestaurants laden zum verweilen ein. Derzeit wird der Ortskern saniert. Auch viele Künstler haben ihren Platz in Kinsale gefunden und somit ist dieses kleine Örtchen ein magischer Anziehungspunkt für die Mondäne Gesellschaft geworden. 1601 sollte in die Irischen Geschichtsbücher als das Ende des gälisch geprägten Irlands eingehen, als die Spanier mit Unterstützung von irischen Streitkräften gegen die Engländer Unterlagen. Es sollte 100 Jahre dauern, bis die Katholiken wieder in die Stadt zurückkehren durften.

Doch eine weitere Berühmte Geschichte nahm hier ihren Verlauf, als Anfang des 18. Jahrhunderts, Alexander Selkirk in Kinsale aufbrach und auf einer Einsamen Insel strandete, dieses für Ihn unglückliche Ereignis, inspirierte Daniel Defoe zu seinem Bestseller Robinson Crusoe. KinsaleKinsale

Kinsale




Weiter ging es dann mit meiner Tour Richtung Crosshaven. Über Crosshaven finde ich leider gar nichts in meiner Literatur, möchte es hiermit also als einen kleinen Geheimtipp handeln. Wunder schöne Anfahrt entlang eines sehr gepflegten Fjordes, an dem sich viele Sportler tummeln. Schließlich kommt man in einem sehr sauberen und gepflegtem Örtchen an, welches vielleicht ein paar hundert Einwohner hat. Ein netter kleiner Yachthafen lädt zum Bummeln ein. Also auch einen Besuch wert.

Crosshaven

Crosshaven



Dann eine kurze Durchfahrt durch Midleton, welches mir als neue Wohnstätte empfohlen wurde. Ich finde das ist es eher nicht. Eine typische Industriestadt und für solch eine Stadt, auch typisch dreckig und nicht sehr einladend. Berühmt ist Midleton eigentlich nur für eins und zwar für den Whiskey (Achtung, mit e geschrieben), nicht irgendeiner sondern der Jameson, ganze Busladungen werden durch die alt ehrwürdige Destilliere gepresst um am ende mit einem Gratis Glas verköstigt zu werden. Die Brauerei stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert und ist als technisches Museum sehr sehenswert. Ich sah es nicht. Ätsch.


Nun noch einen Abstecher nach Ballycotton, ganz kleines Dorf mit einem schönen Fischerhafen und dem Blick auf eine Insel mit Leuchtturm. Auch eine hübsche Kirche gibt es in diesem Dorf. Und es gibt den Ballycotton Cliff Walk, welcher im 2. Weltkrieg für Wachgänge angelegt wurde. Betreten nur auf eigene Gefahr und soweit ich das gesehen habe, war der Zugang auch abgeriegelt. Wenn er im Sommer offen ist, lohnt sich der Wanderweg sicherlich.

Ballycotton

Ballycotton


 

 

Nächstes Ziel Youghal. Ebenfalls ein nettes Städtchen welches immer irgendwie auf der Gewinnenden Englischen Seite war. Seit die Umgehungsstraße da ist, ist es auch etwas angenehmer in der Mitte geworden, auf jeden Fall sehr sehenswert. Berühmtester Sohn der Stadt ist Sir Walter Raileigh, der im 16. Jahrhundert Virginia kolonisierte und dann auf seinem Rückweg nach Europa, die Kartoffel mit brachte. Angeblich soll er im Garten gemütlich sein Pfeifchen geraucht haben, dabei hat er von der Kartoffel gekostet, doch anstatt der Wurzelknolle hat er die Beeren probiert und wäre dabei fast drauf gegangen. Nach diesem Unheils amen Nachmittag, wurde die Knolle für ein paar Jahrhunderte erst einmal vergessen. Die Historiker glauben aber dieser Geschichte nicht so ganz. Den Einwohnern ist es egal, weil sie feiern jetzt immer ende Juli ein rauschendes Fest zu seinen ehren.

Youghal



Zum Abschluss ging es dann noch nach Dungarvan (7220 EW.). Sehr saubere Stadt mit vielen neuen Ecken und Enden, eingebettet zwischen bewaldeten Hängen. Dungarvan ist das Verwaltungszentrum von Waterford und bietet eine umfassende Gastronomie. Das Bier geniest man am besten Im Hafen am Davitt Quay, von wo aus man auf die weite See blicken kann und den Booten beim einlaufen zuschaut. Außerdem gibt es das King John´s Castle.

Dungarvan

Dungarvan



So und hier wird es also auch sein, zwischen Ballycotton und Dungarvan, wo ich versuchen werde eine Bleibe zu finden. Ich habe noch jemanden Kennen gelernt, der mir etwas bei der Suche helfen wird. Es liegt von den Entfernungen zu den Hauptstraßen recht gut und von der Größe der Ortschaften genau richtig, nicht zu ländlich aber auch nicht zu hektisch. Also lasst Euch überraschen wo ich enden werde. Viel mehr Bilder findet Ihr wie immer im Linkblock unter Flickr, viel Spaß beim anschauen.


© S.Hannemann

|