Das Kulturamt Waldshut Veranstaltete aus der Reihe Pur Irish Drops ein weiteres Konzert. Dieses mal war das Thema The music and songs from south Ulster.
Wie es war? Kalt war es, sehr Kalt. Das ganze fand im Stadtscheuer Waldshut statt, welcher nach dem Wintereinbruch in Waldshut, wohl einer der Orte war die die Kälte am besten wiederspiegelte. Also war es an den Musikern etwas innere Wärme in uns zu schaffen. Leicht hatten sie es nicht, denn der Veranstalter stellte Stühle auf und schaffte es nicht ein paar Kisten Irisches Bier zu kaufen. Also saßen wir da und versuchten uns unsere eigene Gedankenwelt zu schaffen uns nach Irland zu Teleportieren zu Beamen.
Die Musiker betraten die Bühne einzeln und stellten ihre mitgebrachten Instrumente vor. Als erstes lernten wir Martin Quinn und sein Akkordeon kennen. Martin ist auch Traditionsforscher und brachte alte Melodien zu Ohr, die einen in die Welt der einfachen Bauern von Ulster begleitete. Schnelle Griffe und leichte Töne die ins Ohr und in den wippenden Fuß gingen.
Jetzt kam auch Gerry O´Connor (so muss ein Ire heißen) auf die Bühne. Er ist einer der berühmten Irischen Geigenvirtuosen die mit ihren Tönen Emotionen in einem aufwecken und Bilder im Kopf auslösen. Wie er dem Publikum erzählte, scheint in seiner ganzen Familie die Geige eine Rolle zu spielen, doch er nennt es natürlich nicht Geige, sondern Fiddel und so erzählt er mit einem tollen Humor von seiner Fiddelnden Familie und wir erfahren das nur drei seiner Tanten nicht verheiratet sind.
Gabriel McArdle ist ein fundierter Sänger von Irischen Balladen. In seinen Stimmbändern entstehen Töne, die wir bei uns selbst, vergebens suchen. Mit trockenem Humor und Wetter Gegerbten Gesicht, singt er uns von der Liebe und den Empfehlungen der Sänger, schnell Ja zur Braut zu sagen, bevor sie wieder verschwindet. Er hat nicht nur den Irischen Namen, nein er sieht auch genau so aus wie wir uns einen Iren vorstellen.
Jetzt ist das ganze Trio komplett und geleitet uns in eine ferne, in eine alte Welt. Texte und Töne die noch nicht einmal rechtlich irgendwo registriert sind. Es wird Zeit, die Augen zu schließen und die kalte Stadtscheuer zu verlassen. Vor dem inneren Auge tauchen Grüne Hügel auf und viel Landschaft die nur durch die Steinwälle durchbrochen werden. Wir sehen über die Klippen, hinaus auf das weite Meer und riechen die Seeluft. Die Neblige Kälte kriecht in unsere Haut und wir sind da wo diese Musik geboren wurde.
Ein tolles Konzert, welches aber durch etwas einfach geschaffene Atmosphäre durch den Veranstalter noch schöner hätte sein können. Irische Musik kann man nicht in einem kalten großen Raum erleben. Irische Musik muss in einem kleinen Pub mit einem offenen Feuer bei einem Glas Guinness erlebt werden. Wenn die anwesenden Gäste spontan in das Spiel der Musiker einspringen und ihrer Freude freien Lauf lassen. Dann wird man Teil dieser Familie und dieses Landes welches die Menschen seit jeher in den Bann seiner Töne und Landschaft zieht und dadurch viel Mystik in den Köpfen hinterlässt.
© Stephan Hannemann